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Neue Sonderausstellung im Museum Hofmühle in Immenstadt
„Die Rodfuhr – mit Gütern und Salz über die Pässe“

05. Mai bis 30. September 2012, Mittwoch bis Sonntag 14 bis 17 Uhr

Was heute europaweit tätige Logistikunternehmen auf gut ausgebauten Straßen- und Schienennetzen leisten, war vom hohen Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert hinein die Aufgabe der Säumer und Roder.

Durch den Anfang des 13. Jahrhunderts enorm angestiegenen Frachtverkehr zwischen den Handelsmetropolen Italiens und den deutschen Reichs- und Messestädten entwickelte sich im Laufe der Jahre das Frachtsystem der Rodfuhr, das einerseits einen laufenden Weitertransport der Handelswaren gewährleistete, andererseits aber auch eine geregelte Ablöse der Saumtierführer und Fuhrleute ermöglichte. Die Anfänge des Rodwesens sind wohl im Alpenraum zu suchen, wobei den Schweizer Passgemeinden eine zentrale Stellung zugewachsen ist.

Das Wort „Rod“ (auch Rott genannt) entstammt dem Lateinischen (=rota) und bedeutet soviel wie Wechsel, Kreislauf. Im deutschsprachigen Raum verstand man darunter das abschnittsweise Verfrachten von Waren. Säumer und Fuhrleute übernahmen es dabei, gegen einen bestimmten Tarif die Frachtgüter über eine gewisse Wegstrecke zu sogenannten Rodstationen zu bringen, wo diese von anderen übernommen und zur nächsten Niederlage gebracht wurden.

Das Transportsystem der Rodfuhr war im Alpenraum auf gelände- und wegekundige Personen angewiesen, durch die ein sicheres Weiterverfrachten der oft sehr wertvollen Güter gewährleistet war. Meist rekrutierten sich diese Leute aus der bäuerlichen Bevölkerung des betreffenden Landesteils, die mit ihrer Teilnahme am Transportsystem der Rod ein zusätzliches Einkommen erzielten konnten. Wegen ihrer Teilnahme daran nannte sie der Volksmund "Roder", ihre Tätigkeit "roden".

Das Rodfuhrwesen war vor allem in den Bereichen um und über die Alpenpässe straff organisiert und eigens dafür geschaffene Rodordnungen sollten eine zügige und problemlose Verfrachtung der Waren gewährleisten. Weil sich aber immer wieder Ungereimtheiten innerhalb der bestehenden Verhältnisse offenbarten, die Ansprüche sich erhöhten, die Wegeverhältnisse sich verschlechterten, ja selbst Streitereien zwischen den Rodern und den Auftraggebern nicht selten waren, sahen sich die betreffenden Landesherren laufend genötigt, die bestehenden Rodordnungen zu verbessern, zu ergänzen, bzw. neue zu erlassen.

Im Laufe der Zeit zeigte es sich jedoch, dass die Rodfuhr trotz aller vorgenommenen Verbesserungen umständlich, langsam und den wachsenden Ansprüchen der Kaufmannschaft nicht gewachsen war. Die Fernhandelshäuser beklagten sich, dass ein Transport von Venedig nach Augsburg mit eigenen Leuten 6-7 Wochen brauche, mit der Rod aber 10-11 Wochen. Neben der Teilfuhr durch die Rod bildete sich deshalb schon sehr früh die Direkt- oder Stracksfuhr heraus, bei welcher ein und derselbe Frachtzug die Strecke durchfuhr, ohne in den Rodstationen bzw. Niederlagsorten die Waren abzuladen. Die Transporte wurden dadurch zwar schneller, billiger jedoch nicht, denn die Landesherrschaften ließen sich Wegegelder, Zoll und Niederlagsgebühren natürlich nicht entgehen und die Kaufleute hatten sie trotzdem zu bezahlen.

Kaiserin Maria Theresia von Österreich erkannte die Rodfuhr Mitte des 18. Jahrhunderts als echtes Handelshemmnis und löste die Rodverpflichtung in ihrem Lande auf. Vom Jochpass bis an den Bodensee waren jedoch weiterhin noch Rodfuhrwerke unterwegs, bis sie schließlich durch den Bau der Eisenbahnstrecken zur Aufgabe gezwungen wurden. Die Landstraßen wurden einsam, die Wirtshäuser leer.

Zur Erinnerung an dieses, rund 700 Jahre existierende Transportwesen, erarbeitet der Heimatverein Immenstadt e.V. derzeit eine Sonderausstellung mit dem Titel „Die Rodfuhr“. Die Ausstellung wird vom 5. Mai bis 30. September 2012 im Museum Hofmühle in Immenstadt gezeigt. Öffnungszeit ist jeweils von Mittwoch bis Sonntag von 14-17 Uhr.

Schüler des Gymnasiums Sonthofen setzen sich ebenfalls mit diesem Thema auseinander und zeigen am Samstag, dem 16. Juni 2012, vormittags, in der Salzstraße in Immenstadt, wie man sich die Ankunft eines Frachtwagens vor dem ehemaligen Gröd- oder Salzstadel in Immenstadt vorzustellen hat. Unterstützt werden sie dabei von Aktiven des Salzrodvereins aus Simmerberg mit ihrem Frachtzug. Interessierte Zuschauer sind dazu herzlich eingeladen.


Kontaktinformationen

Museum Hofmühle
An der Aach 14
87509 Immenstadt
Tel.: 08323 3663
www.museum-hofmuehle.de


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